Aktuelles der Kanzlei für Arbeitsrecht in Schöneberg, Kanzlei Stähle:

 

Rechtsanwaltsfachangestellte/r (m/w) gesucht

Die Kanzlei Stähle sucht in Voll- oder Teilzeit ab sofort eine/n Rechtsanwaltsfachangestellte/n (m/w).

Wir sind eine arbeitsrechtlich ausgerichtete Kanzlei. Zu unseren Mandanten zählen insbesondere Arbeitnehmer und Betriebsräte. Die Kanzlei liegt in Schöneberg, nahe dem Rathaus Schöneberg und dem Akazienkiez. Sie ist sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Es fallen sämtliche Tätigkeiten einer/eines Rechtsanwaltsfachangestellten an. Wir bieten Ihnen eine abwechslungsreiche und vielseitige Tätigkeit in freundlicher und kollegialer Arbeitsatmosphäre und eine leistungsgerechte, überdurchschnittliche Vergütung. Das Arbeitsverhältnis ist unbefristet.

Wenn Sie selbständig arbeiten und dabei aufgeschlossen, flexibel und motiviert sind, dann freuen wir uns auf Ihre aussagekräftige Bewerbung nebst Lebenslauf und Zeugnissen, gerne auch von Ihnen als Berufsanfänger/in.
Bewerbungsunterlagen übersenden Sie bitte an:

Kanzlei Stähle
Belziger Straße 74
10823 Berlin

Oder gerne per Mail an unsere Kanzleiadresse: info@kanzlei-staehle.de



Crash-Kurs Individuelles und kollektives Arbeitsrecht
     - Dieses Seminar ist ausgebucht -
Kleingruppenseminar Nr. 9/18 A
- Wochenseminar -

Montag, den 20.08.2018 bis Freitag, den 24.08.2018
in der Kanzlei Stähle
Belziger Str. 74, 10823 Berlin
Mo. bis Do.: 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr
Fr.: 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr

Sie haben viele neu gewählte BR-Mitglieder im BR und Schwierigkeiten die neu Gewählten auf Wochenseminare zu schicken: hier die Alternative... mehr


Formalia, Formalia!
Kleingruppenseminar Nr. 10/18 A
- Zweitagesseminar -

am Donnerstag, den 25.10.2018 und
am Freitag, den 26.10.2018
in der Kanzlei Stähle
Belziger Str. 74, 10823 Berlin
Do.: 9:00 Uhr bis 16:30 Uhr
Fr.:  9:00 Uhr bis 15:30 Uhr

Im Mittelpunkt des Seminars stehen die lästigen Formalia von der korrekten Einladung bis zur richtigen Beschlussfassung über die Entsendung von Betriebsratsmitgliedern zu Schulungen bis hin zur Einleitung
von Beschlussverfahren... mehr



Aktuelle höchstrichterliche Rechtssprechung

Kleingruppenseminar Nr. 11/18 A
am Freitag, den 30.11.2018
in der Kanzlei Stähle,
Belziger Straße 74, 10823 Berlin

Fr.: 08:30 Uhr bis 15:30 Uhr

Das Seminar wendet sich an erfahrene Betriebsratsmitglieder, Personalräte und Mitarbeitervertretungen, die über fundierte Kenntnisse im individuellen und kollektiven Arbeitsrecht verfügen. Angesprochen werden eine Vielzahl von unterschiedlich aktuellen Urteilen... mehr


- Seminaranmeldung per Kontaktformular 

- Seminaranmeldung per Fax

- Seminarveranstaltungen / Newsletter als PDF  zum herunterladen


Spezielle Schulungen:

Wenn Sie eine spezielle Schulung für Ihr Betriebsrats-, Mitarbeitervertretungs- oder Personalratsgremium wünschen, sprechen Sie uns einfach an. Wir machen Ihnen ein maßgeschneidertes Seminarangebot speziell für Ihr Gremium.

Ein solches Seminar kann entweder in unseren aber auch in den Räumen Ihres Arbeitgebers durchgeführt werden.

Die Seminare sind als Tagesseminare, aber auch als Halbtagesseminare zu ganz speziellen Fragestellungen denkbar oder  etwa auch als 3 Tages-Crash-Kurs, z.B. nach erfolgter Neuwahl und vielen erstmalig neu in das Gremium gewählten  Mitgliedern, um diesen einen schnellen Überblick über die Handlungsmöglichkeiten und Rechtsgrundlagen zu verschaffen. Die Themen und den Termin des Seminars können wir gemeinsam festlegen



Aktuelle arbeitsgerichtliche Verfahren der Kanzlei Stähle

1. Der ehemalige Leiter der Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin, Herr Dr. Flade, wehrte sich mit Hilfe der Kanzlei Stähle erfolgreich gegen seine Umsetzung/Versetzung. Die Presse schrieb: Der Ökostuhl wackelt. Dr. Flade gewann über beide Instanzen weil das Land mit der Entbindung aus der Leitungstätigkeit gegen billiges Ermessen verstieß. Es wurde vom LAG Berlin-Brandenburg festgestellt, dass die Umsetzung/Versetzung rechtswidrig ist.

Das Land Brandenburg war aber ein schlechter Verlierer. Kaum wurde das Urteil rechtskräftig, traf es eiligst eine Organisationsentscheidung deren offenkundiges Ziel es war, Herrn Dr. Flade weiter von der Leitung des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin fernzuhalten. Aber auch dieser „Trick“ (Organisations- statt Versetzungsentscheidung) wurde von den Gerichten durchschaut und Herr Dr. Flade bekam wieder über beide Instanzen Recht (zuletzt LAG Berlin-Brandenburg vom 12.04.2018, Az. 18 Sa 1426/17). Das Land Brandenburg ist nunmehr ausdrücklich verpflichtet Herrn Dr. Flade wieder die Aufgaben der Leitung des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin zu übertragen.


2. Ein rumänischer Wanderarbeiter, der beim Bau der Mall of Berlin oder besser Mall of Shame, um seinen Lohn betrogen wurden und seine Lohnklage mit Hilfe der Kanzlei Stähle gewann, kam dennoch nicht zu seinem Lohn. Nicht wirklich überraschend in solchen Verfahren: Die gewonnene Lohnklage führt zwar zu einem Vollstreckungstitel. Der hilft aber nichts, wenn die Firma rechtzeitig pleite geht.

Nun geht es gegen die Auftraggeberin, die HGHI, ein Unternehmen der Huth-Gruppe, welche die Mall erbauen ließ, um die Läden zu vermieten.

Über zwei Instanzen wurde die Klage gegen die HGHI abgewiesen, mit dem Argument, die HGHI würde zwar dann haften, wenn sie die Läden verkauft hätte, da sie diese aber vermietet, hat der Kläger Pech gehabt. Das Arbeitnehmerentsendegesetz sieht aber diese „feinsinnige“ Unterscheidung so nicht vor. Die Unterscheidung aufgrund derer der Kläger verloren hatte, wird aus einem BAG-Urteil abgeleitet. Das LAG Berlin-Brandenburg hat daher in seiner Entscheidung (25.01.2018, 21 Sa 1231/17), die Revision zum BAG zugelassen. Das BAG hat nunmehr die Chance die bisherige Rechtsprechung zu überprüfen, zu ändern und so den Auftraggeber an der Spitze haftbar zu machen, für das, was auf der Subunternehmerkette, bei den schwächsten im Glied, den rumänischen Wanderarbeitern, leider nicht ankam: deren magerer Lohn.



Aktuelle arbeitsgerichtliche Entscheidungen

1. Das LAG Berlin-Brandenburg (19.12.2017 – 11 Sa 1195/17) hatte die Frage zu entscheiden, ob der Nachtzuschlag im Seniorenheim mit 25% oder 30% angemessen sei. Das LAG war der Auffassung, dass ein Zuschlag von 25% angemessen ist und § 6 Abs. 5 ArbZG diesen Zuschlag entweder als Freizeit oder als geldwerte Leistung begründet. Bei Dauernacht-wachen bestätigte das LAG die Rechtsprechung des BAG und vertrat die Auffassung, dass hierfür 30% angemessen sind.

Aber Achtung: 30% gibt es nur dann, wenn die Tätigkeit als Dauernachtwache unvermeidbar ist. Wer freiwillig als Dauernachtwache arbeitet, obschon der Arbeitgeber ausdrücklich auch die Wechselschicht anbot, hat nur einen Zuschlag von 25% zu beanspruchen. Grundsätzlich gilt aber, wenn ein Tarifvertrag nichts anders regelt: 25% Nachtzuschlag z. B. bei Wechselschicht; bei dauernder Nachttätigkeit aber 30%.

2. Das LAG Berlin-Brandenburg (17.11.2017 – 2 Sa 965/17) hat die Weisung eines Arbeit-gebers, der nach Rücknahme einer Kündigung den Arbeitnehmer anwies, an einem 170 km weit entfernten Ort seine Tätigkeit aufzunehmen, für unwirksam erklärt.

Viele Arbeitnehmer haben in ihren Verträgen eine zugunsten der Arbeitgeber großzügige Versetzungsklausel vereinbart. Macht der Arbeitgeber von ihr Gebrauch, um den Mitarbeiter loszuwerden, kann der Arbeitnehmer die Weisung überprüfen lassen. Die Rechtsprechung fragt bei der Leistungsbestimmung, ob sie nach billigem Ermessen vorgenommen, ob die wechselseitigen Interessen wirklich abgewogen wurden. Geprüft wird nicht nur anhand allgemeiner Wertungsgrundsätze der Verhältnismäßigkeit, sondern auch anhand der Angemessenheit, der Verkehrssitte und auch der Zumutbarkeit. Alle Umstände des Einzelfalls sind einzubeziehen, also einschließlich etwa der beiderseitigen Vor- und Nachteile außervertraglicher Art, der Vermögens- und Einkommensverhältnisse sowie der sozialen Lebensverhältnisse, familiären Pflichten und bestehende Unterhaltsverpflichtungen. Danach widersprach die Versetzung billigem Ermessen, da der Arbeitgeber nicht darlegen konnte, warum der Kläger nicht auch am bisherigen Betriebssitz weiterbeschäftigt werden konnte, zumal er privat Verpflichtungen vor Ort zu erfüllen hat, und warum plötzlich am weit entfernt liegendem Ort ein Beschäftigungsbedürfnis für den Arbeitnehmer bestehe. Die Versetzung war unwirksam, da unzumutbar.

3. Das BAG hatte sich 2017 in zwei Beschlüssen (28.03.2017 – 1 ABR 25/15 sowie 18.07.2017 – 1 ABR 59/15) mit dem betrieblichen Gesundheitsschutz (§ 87 Abs. 1 Nr. 7 BetrVG in Verbindung mit § 3 Abs. 1 S. 1 ArbSchG) befasst, ein häufiges Thema für Einigungsstellen, und hierbei verlangt, dass eine konkrete Gefahr und die hinreichende Wahrscheinlichkeit einer Rechtsgutsverletzung nach erwartbarem Geschehensverlauf festgestellt wird.

Der Gefährdungsbegriff ist auf physische und psychische Schädigungen gleichermaßen anwendbar. Die bisherige Unterscheidung zwischen allgemeinen Generalklauseln und Rahmenvorschriften wurde aufgegeben. Dadurch wurde das betriebliche Mitbestimmungsrecht erweitert.
Es ist jedoch zu beachten, dass eine Gefährdung erst dann als konkret anzusehen ist, wenn diese entweder feststeht oder im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung festgestellt wurde. Eine solche Gefährdungsbeurteilung kann jedoch nicht Aufgabe einer Einigungsstelle sein. Sämtliche Ergebnisse einer Einigungsstelle, die ohne die erforderlichen Voraussetzungen erzielt wurden, werden regelmäßig als unwirksam anzusehen sein. Die Gefährdungsbeurteilung muss also vor dem Beginn des Einigungsstellenverfahrens abgeschlossen sein.

4. Der EuGH (17.04.2018 – C-414/16) wirft das arbeitsrechtliche, kirchliche Privileg der Selbst-bestimmung und das kirchliche Selbstverständnis zwischen „verkündungsnaher“ und „verkündungsferner“ Tätigkeiten zu unterscheiden und in der Folge weitgehend der gericht-lichen Kontrolle zu entziehen auf den Müllhaufen der Rechtsgeschichte.

Der EuGH hat postuliert, dass, abgesehen von ganz außergewöhnlichen Fällen, es Aufgabe der Gerichte ist, das Recht der Arbeitnehmer auch gegenüber Religionsgemeinschaften zu schützen, selbst dort, wo es um die durchaus erkannte Legitimität des Ethos der betreffenden Kirche oder Weltanschauung geht. Wird eine Bewerberin wegen nicht vorhandener Religiongszugehörigkeit von vorn herein aussortiert, hat ein Arbeitsgericht zu prüfen, ob eine Diskriminierung vorliegt und zwar anhand der Anforderungen des europä-ischen Rechts (Art. 4 Abs. 2 der RL 2000/78) und zu prüfen, ob wesentliche, rechtmäßige und gerechtfertigte berufliche Anforderungen als Maßstab angelegte wurden. Für die „Rechtmäßigkeit“ ist entscheidend, dass ein objektiv überprüfbarer direkter Zusammenhang zwischen den beruflichen Anforderungen und der fraglichen Tätigkeit vorliegen muss. Das Kriterium „wesentlich“ stellt darauf ab, ob die Zugehörigkeit zur Religion, auf der das Ethos der betreffenden Kirche beruht, aufgrund der Bedeutung der betreffenden beruflichen Tätigkeit für die Begründung dieses Ethoses zur Ausübung und Wahrung der Autonomie der Religionsgemeinschaft notwendig erscheint. Zudem muss die Rechtmäßigkeit gewährleistet sein, also geprüft werden, ob nicht Anforderungen aufgestellt werden, die nicht zur Verfolgung eines sachlich gerechtfertigten Ziels dienen oder ohne Bezug zum Ethos der Organi-sation stehen. „Gerechtfertigt“ bedeutet, dass die Kriterien durch ein innerstaatliches Gericht überprüfbar sein müssen und die kirchliche Organisation im Lichte der tatsächlichen Umstände des Einzelfalls belegen muss, dass Gefahr für die Beeinträchtigung ihres Ethos besteht, die Anforderungen also notwendig sind. Damit haben aber die nationalen Gerichte auch die Aufgabe zu überprüfen, ob die Anforderungen angemessen sind oder diese zur Erreichung des angestrebten Ziels das Maß des erforderlichen überschreiten. Im Grunde findet nunmehr eine Verhältnismäßigkeitsprüfung statt.

Selbstverständlich muss eine Bewerberin für die Position einer Pfarrerin Mitglied der Religionsgemeinschaft sein. Selbstverständlich muss der Gärtner nicht Mitglied dieser oder einer anderen Religionsgemeinschaft sein, um für diese arbeiten zu können. Die Grenzbereiche werden aber spannend. Wenn sich die 1. Frau für den Posten eines katholischen Pfarrers bewirbt und abgelehnt wird, dürfte die Frage nach dem Ethos der Kirche und ihr Rechtfertigungsdruck vor weltlichen Gerichten auch die ein oder andere gesellschaftliche Debatte nach sich ziehen.



Arbeitsrechtliche Themen im Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages

Der Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode enthält einige sozialrechtliche und arbeitsrechtliche Vorhaben.

So soll etwa die Teilhabe behinderter Menschen verbessert werden. Im SGB II soll hierfür ein neues Instrumentarium „Teilhabe am Arbeitsmarkt für alle“ geschaffen werden. Für geplant bis zu 150.000 Menschen ist eine Finanzierung für die Dauer von drei Jahren von 4 Mrd. € vorgesehen, um bezuschusste Arbeitsverhältnisse im sozialen Arbeitsmarkt zu schaffen.

Auch die berufliche Weiterbildung soll im Sinne einer Erweiterungsqualifizierung verbessert werden. Darüber hinaus soll das Initiativrecht der Betriebsräte für Weiterbildung gestärkt werden. Hier darf man gespannt sein: Erzwingbar soll eine Betriebsvereinbarung hierüber dann doch nicht sein, aber immerhin soll eine verbindliche und erzwingbare Verhandlung, möglicherweise auch in einer Einigungsstelle, vorgesehen sein.

Zur Erleichterung der Gründung und der Wahl von Betriebsräten wird das vereinfachte Verfahren zwingend auf Betriebe nicht nur bis 50, sondern in Zukunft bis 100 wahlberechtigte Arbeitnehmer ausgedehnt. Für Betriebe von 101 bis 200 Wahlberechtigten, soll die Wahlmöglichkeit eröffnet werden, dass Betriebsräte entweder nach dem vereinfachten oder nach dem allgemeinen Wahlverfahren gewählt werden.

Größere Veränderungen werden auch beim Befristungsrecht angekündigt. Arbeitgeber mit mehr als 75 Beschäftigten dürfen nur noch maximal 2,5 % der Belegschaft sachgrundlos befristen. Dies werden die Betriebsräte in Zukunft zu kontrollieren haben. Denn bei Überschreiten dieser Quote gilt jedes weitere sachgrundlos befristete Arbeitsverhältnis als unbefristet zustandegekommen.

Auch sollen in Zukunft sachgrundlose Befristungen statt bislang 24 Monate in Zukunft nur noch maximal 18 Monate zulässig sein. Anstatt heute einer dreimaligen Verlängerung, soll in Zukunft nur noch eine einmalige Verlängerung möglich sein.

Auch will die GroKo den langen Befristungsketten (Sachgrundbefristungen) einen Riegel vorschieben und eine Höchstdauer von 5 Jahren als Obergrenze festlegen. Nur in besonderen Ausnahmefällen, soll diese Höchstgrenze überschritten werden können (Künstler, Fussballer, also Fälle des § 14 Abs. 1 Nr. 4 TzBfG). Selbst Leihkräfte sollen in den Genuss der Verschärfung des Befristungsrechts kommen, da die Beschäftigungsdauer als Leihkraft beim Entleiher mit eingerechnet wird.

Auch die Arbeit auf Abruf und der dort herschenden Willkür und Abhängigkeit will die GroKo durch Mindestregelungen beikommen. Der Anteil abzurufender und zu vergütender Zusatzarbeit darf die vereinbarte Mindestarbeitszeit um höchstens 20 % unterschreiten und 25 % überschreiten. Fehlt eine wöchentlich festgelegte Mindestarbeitszeit, gilt eine Arbeitszeit von 20 Stunden als vereinbart. Wer also 20 Stunden Abrufarbeit vereinbart, kann maximal 25 Stunden in der Woche eingesetzt werden und hat zumindest Anspruch auf 16 Stunden bezahlte Arbeit in der Woche.

Wenn die Verletzung dieser Margen sich dann auch noch zu Ansprüchen, etwa zur Aufstockung verdichtet, wunderbar.

Durch die Einführung eines Rechts auf befristete Teilzeit soll insbesondere für alleinerziehende Frauen die Gestaltung der Arbeitszeit erleichtert werden. Dieses Recht soll allerdings nur in Betrieben mit mehr als 45 Arbeitnehmern, sowie bei einer Dauer von einem bis fünf Jahren bestehen. In Unternehmen mit bis zu 200 Arbeitnehmern muss jedoch lediglich einem Arbeitnehmer pro angefangenen 15 Mitarbeitern dieses Recht gewährt werden. Was aber oberhalb der Beschäftigtenzahl von 200 Arbeitnehmer gelten soll, ist dem Koalitionsvertrag nicht zu entnehmen. Vermutlich muss der Arbeitgeber, ohne sich auf Zumutbarkeitsgrenzen berufen zu können, dem Antrag stattgeben.

Alles in allem: Sollten die GroKo-Pläne wahr werden, wendet sich arbeitsrechtliche einiges zum Besseren.




1. Das BAG hat durch Beschluss vom 22.11.2017 festgestellt, dass bei Betriebsratswahlen die Anordnung des d´Hondtschen Höchstzahlverfahrens zur Verteilung der Betriebsratssitze gemäß § 15 Abs. 1 und Abs. 2 WO BetrVG verfassungsgemäß ist. Zwar gibt es auch andere Verfahren, die insbesondere kleineren Gruppierungen Vorteile verschaffen. Dennoch ist aber das d´Hondtsche Höchstzahlverfahren verfassungsgemäß, da es Mehrheiten sichert und damit die Funktionsfähigkeit eines Betriebsratsgremiums gewährleistet (- 7 ABR 35/16 - PM).

2.Dynamische arbeitsvertragliche Verweisungen auf kirchliches Arbeitsrecht gelten auch nach einem erfolgten Betriebsübergang auf weltliche Erwerber weiter. Das BAG hatte dies am 23.11.2017 (6 AZR 683/16) festgestellt. Arbeitsvertraglich waren hier die Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) dynamisch in Bezug genommen. Der Betriebsübergang gemäß § 613a Abs. 1 S. 1 BGB konnte die Dynamik aus dem Arbeitsvertrag nicht zerstören. Die Entscheidung liegt auf der Linie mehrerer aktueller BAG-Entscheidungen zur dynamischen Verweisungsklauseln.

3.Das BAG hat leider die Befristung einer Maskenbildnerin mit künstlerischem Vertrag gemäß § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG als wirksam und gerechtfertigt anerkannt. Die Kunstfreiheit rechtfertige die Befristungsmöglichkeit. Sie entsprechen der Eigenart der Arbeitsleistung. Was bei einem Schauspieler sicher die Begründung trägt, wirft bei Maskenbildnerinnen jedenfalls von der Tatsachenseite her doch erhebliche Zweifelsfragen auf (13.12.2017 – 7 AZR 369/16 – PM).

4.Die Befristungsmöglichkeit eines Lizenzspielervertrags in der Fussballbundesliga gemäß § 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG ist meiner Ansicht nach gerechtfertigt. Das BAG jedenfalls hat dies in seiner Entscheidung vom 16.01.2018 – 7 AZR 312/16 – damit begründet, dass Lizenzspieler im Zusammenspiel mit der Mannschaft sportliche Höchstleistungen erbringen müssen und dies schließlich nur über eine begrenzte Zeit gehe (PM).

5.Immer noch gibt es Streit über die Verrechnung von zusätzlichen Vergütungsansprüchen mit dem Mindestlohn. So hat das BAG (am 20.09.2017 – 10 AZR 171/16) festgestellt, dass die Entgeltfortzahlung an Feiertagen dem Mindestlohn entsprechen muss, wenn nichts günstigeres im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag vereinbart ist. Auch hat das BAG klargestellt, dass der zwingende Nachtarbeitszuschlag (§ 6 Abs. 5 ArbZG) auf den tatsächlichen Stundenverdienst hin zu zahlen ist und der Stundenverdienst mindestens dem Mindestlohn zu entsprechen hat. Dem Trick mit einem niedriger als dem Mindestlohn vereinbarter Stundenlohn, die Entgeltfortzahlung oder das Urlaubsentgelt unter den Mindestlohn zu drücken, erteilte das BAG hiermit eine klare Absage (PM).

6.Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hatte eine ordentliche Kündigung eines Mitarbeiters des Ordnungsamtes bestätigt, der provokant Hitlers „Mein Kampf“, dessen Buchumschlag mit einem Hakenkreuz gekennzeichnet war, während des Dienstes gelesen hatte. Die Einlassungen des Klägers, wonach sein Verhalten seiner Antiquitätensammelleidenschaft geschuldet war und mit Blick auf die politische Provokation einem „Augenblicksversagen“ geschuldet war, lies das LAG zu Recht nicht durchgehen. Eine Abmahnung war entbehrlich (LAG Berlin-Brandenburg vom 25.09.2017 – 10 Sa 899/17).

7. Es besteht kein Anspruch des Betriebsrats auf Einblick in die unternehmensbezogenen Bruttolohnlisten, sondern nur auf die Listen des Betriebs, für den der Betriebsrat gebildet ist (BAG vom 26.09.2017 – 1 ABR 27/16). Tragender Grund war, dass es Aufgabe des Betriebsrats ist,  lediglich innerbetriebliche Lohngerechtigkeit herzustellen und darauf hinzuwirken. Dafür benötigt er zwar die Kenntnis effektiv gezahlter Vergütungen. Die Grenze aber seiner Gestaltungsmöglichkeiten korrespondiert mit der Grenze des Einblicksrechts.



A
ktuelle Entscheidungen des EuGH, BAG und LAG Berlin-Brandenburg

1. BAG möchte Versetzungen erschweren
Der 10. Senat des BAG (Beschluss vom 14.06.2017 – 10 AZR 330/16) möchte bei Versetzungen die Rechtsposition der Arbeitnehmer verbessern. Aufgrund der Rechtsprechung des 5. Senats des BAG sieht er sich daran gehindert. Danach waren Arbeitnehmer zunächst einmal gezwungen, der Versetzungsentscheidung nachzukommen um parallel die Versetzung gerichtlich überprüfen zu lassen, die dann bei Unwirksamkeit und Rechtswidrigkeit der Versetzung dazu führt, dass sie rückgängig zu machen ist. Ein Problem dabei war, dass man zunächst einmal der Versetzung nachkommen musste. Der 10. Senat möchte aber nunmehr die Auffassung vertreten, dass der Arbeitnehmer den Weisungen des Arbeitgebers auch nicht vorläufig folgen muss. Die Sache liegt also nunmehr beim 5. Senat, der entscheiden muss, ob er an seiner bisherigen Rechtsauffassung festhält. Es bleibt zu hoffen, dass er die rigide Position aufgibt. Sonst muss der gemeinsame Senat des BAG entscheiden.

2. Überwachung mittels Keylogger-Verwertungsverbot
Das BAG hat die Rechtsposition von Arbeitnehmern, bei welchen der Arbeitgeber die Internetnutzung durch sog. Keylogger überwacht, gestärkt (vgl. BAG vom 27.07.2017 – 2 AZR 681/16). Wenn ein Arbeitgeber ohne einen speziellen Verdacht und ohne dass ein konkreter Anlass besteht, Mitarbeiter bei der PC-Nutzung überwacht und z. B. die Tastatureingaben protokolliert und regelmäßig Bildschirmfotos, sog. Screenshots fertigt, verletzt er das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiter und das informationelle Selbstbestimmungsrecht (Art. 2, Abs. 1 i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG). Das Neue an dieser Entscheidung ist, dass das BAG wegen des Verstoßes gegen § 32 Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz und wegen der Verletzung des Persönlichkeitsrechts und des informationellen Selbstbestimmungsrechts bei einer derartigen pauschalen Überwachung ein Verwertungsverbot erkannte, also im Unterschied zu früheren Entscheidungen die verbotenen Früchte der unzulässigen Beweis- und Ausforschung nicht einfach verwendet, sondern für die Beurteilung einer darauf gestützten Kündigung ausschließt. Ein wichtiger auch prozessual bedeutsamer Schritt („Keine Verwertung der verbotenen Früchte“).

3. Verhaltensbedingte Kündigung bei Verstoß gegen Alkoholverbot unwirksam
Bei einem bereits seit 32 Jahren bestehenden Arbeitsverhältnisses, welches in der Vergangenheit nicht belastet war, kann ein Verstoß gegen das Alkoholverbot nicht zur Kündigung führen. Vom Rechtsgrundsatz ausgehend, dass nur dann, wenn von vornherein erkennbar ist, dass eine Verhaltensänderung beim Arbeitnehmer in Zukunft auch nach einer Abmahnung nicht zu erwarten steht, hätte die Kündigung Erfolg haben können (vgl. § 314 Abs. 2 BGB i. V. m. § 323 Abs. 2 BGB, LAG Berlin-Brandenburg vom 02.05.2017 – 11 Sa 2062/16).

Klargestellt hat das LAG aber, dass nach einer einschlägigen Abmahnung im Wiederholungsfall eine Kündigung wohl gerechtfertigt wäre. Vorliegend hatte weder der Verstoß gegen das Alkoholverbot, noch das Überziehen der Pausen und das Leugnen der Alkoholisierung mit Blick auf die langjährige Beschäftigung die Kündigung gerechtfertigt.

4. Krankheitsbedingte Kündigung und BEM
Das LAG Berlin-Brandenburg hatte in einer Entscheidung vom 18.05.2017 (5 Sa 1300/16) die Frage einer krankheitsbedingten Kündigung zu überprüfen, bei welcher ein nach § 84 Abs. 2, S. 1 SGB IX ansonsten gebotenes betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) vor Ausspruch der krankheitsbedingten Kündigung nicht durchgeführt wurde.

Das LAG hat für Fälle, in welchen ein solches BEM-Verfahren im Falle einer krankheitsbedingten Kündigung nicht durchgeführt wurde, postuliert, dass der Arbeitgeber dann im Kündigungsschutzprozess umfassend und detailliert vorzutragen hat, warum weder ein weiterer Einsatz auf dem bisherigen Arbeitsplatz, noch nach dessen leidensgerechter Anpassung oder Veränderung möglich gewesen ist und der Arbeitnehmer auch nicht auf einem anderen Arbeitsplatz bei geänderter Tätigkeit habe eingesetzt werden können, warum also ein BEM in keinem Fall dazu hätte beitragen können, neuerlichen Krankheitszeiten vorzubeugen und das Arbeitsverhältnis zu erhalten.

In diesem Zusammenhang kommt auch dem Betriebsrat eine große Verantwortung zu, etwa in dem er andere Einsatzmöglichkeiten im Zusammenhang mit krankheitsbedingten Kündigungen aufzeigt oder aber die Umgestaltung von Arbeitsplätzen, hin zu einer leidensgerechten Veränderung benennt.

5. Kündigungserklärungsfrist und personalvertretungsrechtliches Mitwirkungsverfahren
Nach dem Personalvertretungsrecht bedarf es selbst bei einer fristlosen Kündigung der ausdrücklichen Zustimmung des Personalrats. Da hierfür lange dauernde Einigungsstellenverfahren durchzuführen sind, kann naturgemäß die Zweiwochenfrist, innerhalb der eine fristlose Kündigung, wenn der Arbeitgeber vom Kündigungssachverhalt Kenntnis erlangt, nicht gehalten werden (vgl. § 626 Abs. 2 BGB). Das LAG Berlin-Brandenburg hat am 24.05.2017 – 17 Sa 71/17 entschieden, dass zwar einerseits die Zweiwochenfrist gewahrt wird, wenn der Arbeitgeber innerhalb dieser Frist das Beteiligungsverfahren beim Personalrat eingeleitet hat. Wenn er aber das Verfahren selbst verschleppt, weil er sich drei Wochen lang Zeit lässt interne Informationen herbeizuschaffen oder aber nach Abschluss des Verfahrens die Kündigung nicht sofort ausgefertigt, weil noch unerklärliche Mitwirkungshandlungen innerhalb der Behörde deren Absendung verhindern, führt dies nachträglich dazu, dass die Zweiwochenfrist „gerissen“ wird, trotz der großzügigen Verlängerung der entsprechenden Frist, wenn zumindest das Verfahren rechtzeitig beim Personalrat eingeleitet wurde.


Weitere aktuelle Entscheidungen des EuGH, BAG und LAG Berlin-Brandenburg

1. Rote-Kreuz-Schwestern sind Arbeitnehmer und als Leiharbeitnehmer einzuordnen, wenn diese von einem Verein, der keinen Erwerbszweck verfolgt, zu einem sog. Gestellungsentgelt an andere Unternehmen überlassen werden.  mehr...

2. Der Betriebsrat hat bei Facebook-Auftritten des Arbeitgebers ein Mitbestimmungsrecht zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter, wenn Besucher Beiträge mit Bezug auf das Verhalten oder die Leistung einzelner Beschäftigter posten können.  mehr...

3. Verweigert der Arbeitgeber dem Betriebsrat einen Sachverständigen gemäß § 80 Abs. 3 BetrVG, stimmt also der Arbeitgeber der Beauftragung nicht ausdrücklich zu, musste der Betriebsrat zunächst auf Zustimmung klagen und konnte erst dann den Anwalt als Sachverständigen anfragen, wenn die Sache sich oft schon erledigt hat.  mehr...

4. Das BAG hat eine Umdeutung einer unwirksamen Betriebsvereinbarung in eine Gesamtzusage für den Fall angenommen, dass der Arbeitgeber sich jedenfalls gegenüber den Arbeitnehmern ausdrücklich verpflichten wollte.  mehr...

5. Häufig verfallen Urlaubsansprüche nach dem Jahreswechsel ersatzlos. Das LAG Berlin-Brandenburg hat zur Vermeidung eines solchen Ergebnisses eine sehr erfreuliche Entscheidung getroffen, wonach es Sache des Arbeitgebers ist, darauf hinzuwirken, dass der Arbeitnehmer tatsächlich im laufenden Kalenderjahr seinen Urlaub nimmt.  mehr...


Weitere aktuelle Entscheidungen und gesetzliche Neuregelungen:

Arbeitsgerichtliche Entscheidungen
1. Krasser geht es nicht: Das LAG Schleswig-Holstein hatte zu beurteilen, ob ein Arbeitnehmer, der sich selbst als Kameramann verlieh, im Anstellungsverhältnis zum Entleihbetrieb steht. mehr...

2. Das Oberverwaltungsgericht Münster sichert Beschäftigten der Logistikbranche den arbeitsfreien Sonntag. mehr... 

3. Manche Arbeitgeber machen es sich mit der Betriebsratsanhörung gemäß § 102 Abs. 1 Satz 2 BetrVG zu einer beabsichtigten Kündigung allzu leicht. mehr...

4. Die Mitbestimmung des Betriebsrats beim betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) kennt Grenzen. mehr... 

5. Nachtzuschlag in Höhe von 25 % für Arbeitnehmer, die regelmäßig Nachtarbeit leisten. mehr...  

6. Ein Betriebsratsmitglied, welches die Domain-Adresse mit dem Namensbestandteil des Arbeitgebers und dem Zusatz „-br.de“ sichert, verletzt nicht das Namensrecht des Arbeitgebers. mehr...

7. Das BAG hat festgestellt (Beschluss vom 20.04.2016 - 7 ABR 50/14), dass der Arbeitgeber grundsätzlich nicht dazu verpflichtet ist, dem Betriebsrat unabhängig von seinem Netzwerk einen eigenen Internetzugang zur Verfügung zu stellen. mehr...

8. Bei Unternehmen mit mitbestimmtem Aufsichtsrat sind nicht nur die eigenen Arbeitnehmer, sondern auch die Leiharbeitnehmer für die maßgeblichen Schwellenwerte, also z. B. dem Übergang von der Direktwahl zur Delegiertenwahl, maßgeblich (BAG, Beschluss vom 04.11.2015 – 7 ABR 42/13). mehr...

9. Die betriebliche Arbeitszeit im Sinne des Mitbestimmungsrechts gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 2 BetrVG umfasst auch die Zeiten für das An- und Ablegen einer besonders auffälligen Dienstkleidung.  mehr...


BAG: Überstundenschätzung  mehr...
Leiharbeitnehmer zählen für die Zahl wahlberechtigter Arbeitnehmer mit mehr...
Bezahlte Raucherpausen mehr...
Gestellung in Zukunft gesichert mehr...


Praktikum zur Berufsorientierung für einen Flüchtling in der Kanzlei Stähle  mehr...


 

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 Kanzlei für Arbeitsrecht in Schöneberg Klaus Stähle